01 - KOMM AN

Geh an deinen Lieblingsplatz. Schau dir den Raum um dich herum an ... Was siehst du, was liebst du? Bleib ein wenig hier, genieß das Gefühl des Zuhause-Seins, die Ruhe der Geborgenheit ...

Wo genau ist mein Lieblingsplatz? Vielleicht am Küchentisch – ich mag die alten Stühle ... das glatte Holz des Tisches, die Rillen und Astlöcher ... ich blicke in den Garten, die Küche, auf meine Lieben ... immer steht etwas Schönes auf dem Tisch – Blumen, Schalen, Muscheln, Steine, Kerzen ...

Dieser Ort ist ein Ausgangspunkt, mein Start in den Tag, meine Kaffeepause, zum Planen, zum Lesen, zum Essen, Trinken, Lachen, Reden, zusammen sein, allein nachdenken ...

Sovieles. Zuhause.

Listen, Aufgaben, Tagebücher

Meine Liebe zu Listen ist hier ja schon das ein oder andere Mal Thema gewesen und diese setzt sich in einer Leidenschaft für Notizbücher, kleine Kladden, Sammelmappen etc fort.

Zum Neubeginn des Yogakurses nach der langen Sommerpause habe ich mir in den letzten zwei Jahren gerne etwas überlegt, ein kleines Geschenk für meine Yogaschüler, etwas, dass sie vielleicht einige Zeit begleitet. So gab es selbstgemachte Malaketten als Armband, mit denen wir dann auch eine zeitlang meditiert haben, oder die Ganeshabox, einen kleine Reisealtar in der Streichholzschachtel sozusagen, in dem man dann auch die kleinen Zettel, die es in jeder Stunde gibt, hineinpacken konnte. Allerdings dürfte dieser, sofern genutzt, langsam überquellen ... 

Vor einiger Zeit gab es auch schon mal kleine Aufgaben – für einen Tag habe ich diese Kategorie genannt. Es ging darum, dem Alltag mehr Aufmerksamkeit zu schenken, mehr im Moment zu leben und sich für eine Sache nur kurz aber bewusst Zeit nehmen. Einen Tag lang kann man so sein, wie man es sonst vielleicht nicht immer schafft. Einen Tag lang, oder je nach Aufgabe vielleicht auch nur eine Minute, kann man vieles ausprobieren und einfach mal machen.

Diese Idee habe ich immer wieder im Kopf, nicht zuletzt für mich selbst. Ich schreibe für so vieles Listen, den Einkauf, das Putzen, den Urlaub, Feste, Bürokram, ... aber nicht wirklich für mich selbst. Listen, die mich daran erinnern, innezuhalten. Zu atmen. Zu lächeln. Zu lieben. 

Darum gibt es diesmal für alle ein leeres Notizheft. Und Aufgaben, jede Woche, wenn man mag, zum Einkleben. Vielleicht hat nicht jeder Lust, mitzumachen (ich denke sowieso das ein oder andere Mal, die halten mich langsam für ein wenig verrückt mit all dem Kram über Liebe, Frieden und ich weiß nicht was – zumal ich ja selbst auch erstmal daran arbeiten muss, von der Erleuchtung bin ich ziemlich weit weg ...) – vielleicht schafft man es auch nicht jede Woche oder findet eine Aufgabe halt blöd. Es ist wie immer nur eine Anregung. 

Heute geht es los, also hab ich schon mal angefangen ... mit gutem Beispiel voran :)

immer wieder NEUSTART

Die Sommerferien sind vorbei, das gewohnte Leben plätschert langsam wieder herein, und damit auch die Gedanken, hier wieder weiterzumachen. Von mir und anderen kenne ich diesen Moment, wo man sich die Frage stellt "Weiter? Oder nicht." Egal, ob es um irgendein soziales Netzwerk geht oder eben um einen Blog – man schreibt nicht in die Öffentlichkeit, wenn man nicht gehört werden möchte. Gut, für mich als Grafiker ist es auch eine ganz schöne Plattform, um meinen Worten einen Rahmen zu geben. Aber generell wünscht man sich wohl auch Leser, ein Gegenüber, ein Gespräch, auch wenn es eigentlich ein Monolog ist. Bei meinem letzten Blog wusste ich, die Zeit ist vorbei – der Grund, warum ich schrieb, war nicht mehr vorhanden.

Bei hejyoga ist das nicht so, es gibt noch sovieles ... nicht immer kann ich das alles so schnell in Worte fassen, bebildern, strukturieren ... aber es kommt, irgendwann. 

Und ist nicht sovieles immer wieder ein Neustart? Ein Prozess, ein Weitermachen, ein Verändern ...?

In den Ferien hatte ich auch Zeit nochmal ein wenig rechts und links zu schauen, was andere Yogis so schreiben und musste feststellen, dass ich es zwar großartig finde (zumindest zum Teil), es mich auch interessiert und alles, ich aber definitiv nicht so bin. Ich kann keine Kosmetik testen, weil es bei mir selten über Wimperntusche hinausgeht. Auch Yogakleidung, hm, die besteht bei mir aus bequemer Hose und einfachem TShirt. Klar, manchmal hätte ich da auch gerne was anderes und gönne mir vielleicht mal ein Teil, aber der Hype um Hosen und Matten und all den Kram geht irgendwie an mir vorbei. Wenn möglich, entscheide ich mich gerne für etwas, was ich wirklich gut finde und was dann lange bei mir bleiben darf ... 

Aber, es bleibt sicher kulinarisch! Ich koche und backe immer gerne und es wird daher auch weiter ein paar Rezepte geben. Und es wird auch sicher mal was gebastelt oder irgendwie mit Papier gemacht – so auch jetzt zum Restart. Vor allem aber gibt es weiter ein paar Gedanken. Nimm sie, lies sie, denk sie durch oder lass sie liegen, egal. Ich habe das Gefühl, sie müssen noch raus – ob du bleibst und zuhörst oder mich stehen und reden lässt, bleibt dir überlassen :) 

Diese Gedanken sind ja doch auch immer verknüpft mit meinen Stunden und auch diese haben weiter Platz hier. Yoga Woman goes on. 

Anerkennung

Ich denke manchmal darüber nach, warum einige Menschen so unglücklich sind, zu Depressionen neigen, unzufrieden mit ihrem Leben nach Auswegen suchen und nicht immer finden. Dabei begegnet mir als gemeinsamer Nenner häufig das Thema Anerkennung. Einige bekommen anscheinend nicht viel davon ...

Es gibt Jobs – und Charaktere – die diese Aufmerksamkeit wiederum geradezu anziehen. Kreativität zum Beispiel. Und das fördert wiederum eine positive, optimistische Sichtweise. Man sollte es aber zum einen nicht selbstverständlich nehmen und vor allem auch an die anderen denken.

Manchmal findet man etwas toll und sagt es nicht. Oder merkt nicht, dass der andere einfach mal ein Lob braucht, einen kleinen Applaus, ein "du bist großartig und wunderbar". 

Ein Mangel an Anerkennung führt schnell zu Selbstzweifeln, wenig Selbstbewusstein, zu Traurigkeit und ja, vielleicht am Ende auch zu Depressionen. Dann ist es schwierig, da wieder herauszukommen, Anerkennung überhaupt wahrzunehmen, anzunehmen, an sich zu glauben. 

Darum lass es nicht soweit kommen. Sei stolz auf dich, egal, welchen Job du hast, wie du dein Leben gestaltest, etwas an dir ist einzigartig und schön! Und wenn es dir gut geht, dann schenk anderen etwas davon – ein Blümchen für alle, die es gerade brauchen :-*

Sturm

Die Ereignisse der Welt scheinen sich so oft zu überschlagen und ich fühle mich ein wenig wie auf diesem Bild des englischen Malers Joseph Mallord William Turner – wie ein Boot, das in den Wellen hin- und hergeworfen wird, nicht sicher, ob am Ende der Untergang oder ein ruhiger Hafen wartet. Die Flüchtlingskrise, verbunden mit der daraus hervorgegangenen (oder besser: zum Vorschein gekommenen) rechten Gewalt, die Anschläge, der Brexit. Sturm irgendwie. Und man wünscht sich einen, der den Weg aus diesem Unwetter heraus kennt. Aber die Geschichte zeigt zu oft, dass es keinen Weg gibt – das Chaos regiert zu allen Zeiten immer mit.

Turner | Snow Storm - Steam-Boat off a Harbour’s Mouth Date | 1842

Und wie immer bin ich auch innerlich hin- und hergerissen, zwischen Informationsflut und -wunsch auf der einen Seite, und dem Drang, die Tür zu schließen, mich auf die Verandatreppe zu setzen und einfach die Blumen anzuschauen auf der anderen. Weggucken ist sicher der falsche Weg – sich durch die ganzen Geschehnisse und Medien verrückt machen zu lassen aber auch.

Ich überlege, was Europa für mich bedeutet, welches ja in all diesen genannten Themen involviert ist, und denke an das, was mein persönlicher Hafen mir sagt: Frieden. Das gilt leider nicht für die ganze Welt, bei weitem nicht, aber hier in Deutschland haben wir, auch dank dieser Ländergemeinschaft, seit vielen Jahren Frieden.

In Zeiten, wo es uns wirklich schlecht geht, wo es existenziell wird, würden wir uns wohl wenig sehnlicher wünschen, als eben Frieden. Hier geht es uns aber nicht schlecht – wie Hagen Raether sagt, es wird nicht besser – und so regen wir uns auf, über EU-Gurken und Fremdartigkeit, über Nationalstolz und dessen Verletzung, über Identität und Freiheit (wovon die meisten von uns ziemlich viel haben), über Politiker und Nachbarn ... Die Liste ist endlos.

Vielleicht sollten wir mehr Listen der Dankbarkeit schreiben – um uns jetzt daran zu erinnern, was wir hier erleben dürfen, und nicht erst dann, wenn es vorbei ist ...

Melancholie

Die Band Ego, Me & You hatte ich durch Zufall entdeckt und hier bereits mehrfach vorgestellt. Nun ist endlich das Album fertig und war gestern frisch in meiner Post – und seitdem in meinem Ohr. 

Die Musik, die Melodien, ja, diese gewisse Melancholie trifft mich einfach jedes Mal aufs Neue. Ich mag den Klang, die Stimmen, die Atmosphäre ... eine sympathische Ruhe, eine gewisse Traurigkeit vielleicht sogar, aber nichts, was runterzieht, nur entspannt. 

Es lohnt sich, reinzuhören! Das ganze Album!

S A H A S R A R A

Oben angekommen – und nach unten geguckt ... so könnte man diese Stunde bezeichen :) Das Kronenchakra beinhaltet quasi die Erleuchtung – tja, nur so einfach kommt die ja nicht über uns. Also aktivieren wir das Chakra mit Umkehrhaltungen – der Königsasana, dem Kopfstand, oder etwas Nacken/Schülerfreundlicher mit dem feet-up! Eine weniger meditative Stunde (hatten wir ja auch schon beim letzten Chakra, das muss erstmal vorhalten), dafür mehr Spaß und Mut!

Kopf oder Herz ... Verstand oder Gefühl ... Mut zum Ja, zum Nein ... immer wieder die Frage der Oberhand, des richtigen Weges ... vielleicht heißt Erleuchtung auch Erkennen, dass "hier und jetzt" diese Frage nicht stellt, sondern dem Impuls des Augenblicks nachgibt, egal, wodurch dieser Impuls ausgelöst wurde ...

Kokos-Spinat

Klingt vielleicht erstmal komisch, ist aber seeehr lecker! Ich bin ja auch ein großer Süßkartoffelesser (ich weiß, die sind nicht jedermanns Sache :) ... Ich jedenfalls könnte diese Kombination jeden Tag essen!

A J N A

Das Ajna-Chakra, der Punkt auf unserer Stirn, unserer drittes Auge, lässt uns nach innen schauen. Intention, die Stimme in uns, das Gefühl, welches uns manchmal vermeintlich spontane Entscheidungen treffen lässt und doch vielleicht nur der Ausdruck einer langen Reise ist.

Die Yoga-Ausbildung war für mich so eine Entscheidung – scheinbar spontan, fast von einem Tag auf den anderen, eine Probestunde Vinyasa in einem Studio und schwupp, Vertrag unterschrieben, angemeldet. Doch es kam nicht plötzlich, es war schon so lange in mir und kam einfach an zu diesem Zeitpunkt zum Vorschein. 

Vielleicht ein Grund, mehr auf das, was wir Intuition oder Bauchgefühl nennen, zu hören – es ist selten ein plötzlicher Sinneswandeln, sondern viel mehr etwas, dass ganz lange unter der Oberfläche geschwimmert hat und nun endlich strahlen möchte!

Was bringt uns im Yoga zu diesem Punkt? Mehr Ruhe, mehr Fokus, mehr Innehalten. So ging es diese Mal ohne Ansage durch die Sonnengrüße, alleinige Konzentration auf den eigenen Atem, den individuellen Flow, weiter ins beruhigende Nadi Shodana und schließlich in die Stille, die Meditation ...

Inspiration

Das Vishuddha Chakra steht unter anderem auch für das Thema Inspiration. Anstatt die Intention für diese Yogastunde konkret an zB die Kommunikation zu knüpfen, habe ich eine Idee aus dem Design aufgegriffen, mit der man manchmal etwas Frische in die Kreativität bringen kann: Man nimmt ein oder zwei Aspekte, die erstmal nichts mit der eigentlichen Sache zu tun haben oder zumindest nichts miteinander, und bringt diese in den neuen Kontext.

Darum gab es zu Beginn der Stunde für jeden die Möglichkeit, ein Wort auszusuchen, entweder spontan, ungesehen oder bewusst, sowie eine von mir wahllos zugeteilte Farbkarte. Wenn ich solche Impulse gebe, frage ich nie nach, was die Schüler letztendlich für sich daraus gemacht haben – es ist eben nur ein Impuls, eine Option, ein Angebot. Von daher weiß ich nicht, ob es tatsächlich inspirierend war, ob irgendwas im Geist stattgefunden hat – ich als Schüler hätte mich über diese Möglichkeit, klare Gedankenbahnen zu verlassen und einfach mal etwas anderes in die Intention einzubauen, gefreut :) Und nur so kann ich ja meine Stunden gestalten ... 

Welches Wort hättest du gewählt?

V I S H U D D H A

Kehlchakra klingt erstmal nicht so spannend, finde ich. Zumindest nicht so wie Herzchakra oder Kronenchakra ... Kehle, wann beschäftigt man sich schon mal damit, außer man ist vielleicht Sänger! Dabei kommt soviele aus unserer Kehle und soviel auch hinein – Kommunikation, Gesang, Atem ...

In dieser Stunde haben wir ein Mantra gesungen (om namo bhagavate, in dieser wunderschönen Version von David Lurey!) – viele haben sich noch ein wenig zaghaft doch getraut, mitzusingen, ein großer Fortschritt! Als Peakpoint gab es Halasana – sonst häufig mehr eine Übergangsasana zum Schulterstand, in dieser Stunde mal im Fokus in all seinen schönen Varianten!

Unbedingt Yogalehrer?

Das Thema habe ich schon auf einigen Seiten gelesen und mich auch gefragt vor der Ausbildung – muss ich unbedingt Yogalehrer werden? Und währenddessen und danach – müssen all die anderen auch unbedingt Yogalehrer werden? Man bekommt manchmal den Eindruck, es könnte bald mehr Lehrer als Schüler geben :)

Für mich war die Antwort allerdings klar – ich wollte nicht nur mehr über Yoga lernen, ich wollte es auch unbedingt weitergeben. Ich stehe sehr gerne da vorne, denk mir Stunden aus, bin für meine Schüler da und gebe alles, was ich in diesem Moment zu geben habe. 

Es gibt andere, da ist von vorneherein klar, dass sie nicht unterrichten werden. Warum dann eine Ausbildung? Weil man wohl kaum woanders in so kurzer Zeit soviel lernt. Die Ausbildung ist sehr vielfältig gewesen, umfasste Yogastunden, praktisch und theoretisch, Anatomie, Philosophie, Pranayama, Meditation, Ayurveda und vieles mehr. Wissen, das mich nicht nur zum Yogalehrer gemacht, sondern auch zu neuem Denken bewegt, meine Ansichten aufgefrischt, Wege freigemacht. Es war eine prägende Erfahrung, egal ob nur für mich oder für meinen Unterricht.

Bei den vielen Ausbildungsangeboten geht es sicher auch ein wenig um das Geld. Die Studios wollen überleben und Ausbildungen und Retreats sind da sicher lukrativer als einzelne Kurse. Aber ich fand jeden einzelnen Cent richtig investiert!

Und was, wenn es tatsächlich zuviele Lehrer werden? 

Ich denke, Yogalehrer wird man ja nicht, um reich zu werden – es ist schon eine Passion und eine Mission. Wenn man mit Herz und Seele dabei ist, dann wird es wohl auch immer Schüler geben, die das gerne von dir annehmen. 

Yoga ist nichts, was ein Geheimnis bleiben sollte (so wie in den Ursprüngen!). Yoga ist für alle da!

Es kann ja auch nicht zuviele Blumen geben ... :)

Orange auf dem Teller

Orange ist zwar meine eigentliche Nicht-Lieblingsfarbe, dennoch muss ich gestehen, dass Orange im passenden Kontext großartig sein kann – so auch auf dem Teller bei der Kombination von Möhren und Orangen, Cashewkernen und Oliven. Ein leuchtendes Sommergericht (obwohl, könnte ich mir auch im Winter wunderbar wärmend denken)! Auch wenn es etwas ungewöhnlich klingen mag, es lohnt sich, dieses Rezept auszuprobieren – auch der letzte Tropfen schmeckt noch köstlich!

A N A H A T A

Liebe ist überall und doch ein nicht so einfaches Thema. Dabei kann man den Fokus auf so vielfältige Weise setzen, Liebe ist unendlich viel. Dieses Mal ging es mir um die bedingungslose Liebe. Wenn man es schafft, den Geist freizumachen, die Schubladen weit aufzuziehen und den Vorhang fallen zu lassen ... dann kann man tatsächlich hinter die Fassade blicken und einfach nur den Menschen sehen. Ist nicht einfach, gelingt im Alltag mal eben sowieso nicht, aber man kann sich ja immer wieder daran erinnern.

Viele Herzöffner bestimmen natürlich die Stunde, ein betont langsamer, hingebungsvoller Flow und eine kleine Auge-in-Auge-Meditation mit dem Mattennachbarn. Liebe ist generell nicht so einfach :) Gibt aber immer wieder Hoffnung.

Ein Tag der Liebe

Es war mal wieder soweit. Die Yoga Conference fand Köln dieses Wochenende in Köln statt. Dieses Mal, mein zweites, war ich nur einen Tag dort, aber es sind wieder soviele Eindrücke, dass ich wahrscheinlich noch einige Zeit brauche, alles zu verarbeiten – und einzuarbeiten, weiterzugeben, denn das, was man da mitnimmt, muss hinaus in die Welt!

Yoga ist heute so ein Hype, ein Lifestyle, gehört mit Detox und Superfoods, Sixpack und Bikini-Challenge schon lange zum In-Sein dazu und ist erst recht kein ruhiger, spartanischer, meditativer Geheimtipp mehr. Auf der einen Seite finde ich es gut, wenn Dinge sich weiterentwickeln. Warum nicht? Yoga darf gerne vielfältig, bunt und glitzernd sein! Auf der anderen Seite gibt es eine back-to-the-roots-Bewegung, wieder mehr Stille finden, Yin Yoga, Philosphie. Ganz wichtig, denke ich. Die Wurzeln, den eigentlichen Grund, warum wir nochmal mit dem Yoga angefangen haben, nicht vergessen. Und egal, wie und woran – weiterarbeiten, Mut zur Entwicklung, auch wenn das Rückschritte bedeutet. Wir gehen tatsächlich immer vorwärts!

Was aber unabhänging von In und Out und Top und Basic immer wieder zu spüren ist, ist Liebe. 

Es geht vielleicht nicht jedem so, aber Yoga kann dich so freimachen, dass du jeden ehrlich und liebevoll umarmen kannst. Dieses Gefühl ist so schön und ich versuche es immer zu kultivieren – auch wenn ich Auto fahre ... oder mein Nachbar-Yogi sich mit seiner Matte total breit macht ... oder ich jemanden erstmal nicht leiden kann, weil er/sie nicht in mein Bild passt, sich in meinen Augen komisch verhällt ... 

Daran hat mich der Tag erinnert. 

Wie gut, dass diese Woche das Anahata-Chakra dran ist ... open your heart!

(Motiv: © Yoga Conference Germany 2016)

Das Thema der Conference fand ich übrigens auch wieder wunderbar: 

Every little thing you do is magic!

Wurde leider viel zu selten in den Workshops aufgegriffen. Mehr von den Inhalten vielleicht später. Wie gesagt, das muss erstmal verarbeitet werden ... bis dahin: weiter die Liebe kultivieren :)

M A N I P U R A

Uns fehlt so oft die Energie. Was bleibt am Ende des Tages, der Woche, des Jahres von den wunderbaren Ideen, die wir hatten, von den Listen, unseren Plänen?

Vielleicht liegt es aber auch ein wenig an der Sichtweise – wir wollen soviel. Alles scheint möglich, sovieles ist zu sehen, bei anderen, offline und online. Du hast noch keine Weltreise gemacht? Läufst keinen Marathon? Bist kein Chef? Strickst nicht mal deine Pullis selbst? Was soll das nur für ein Leben sein ...

Sich lösen von den Werten, Zielen, Wünschen anderer, kann manchmal soviel Energie freisetzen – Energie, für die Dinge, die wir wirklich wollen. Und wenn das einfach nur leben ist – warum nicht? Energie kann man auch spüren, still in sich hineinfühlen, wie sie uns wärmt, erhellt, brodelt!

Sie wird ihre Aufgabe, ihren Moment finden, wo sie sich freisetzt und Taten vollbringt :)

Manipura, das dritte Chakra, in unserer Mitte, kann helfen, diese Energie wieder zum Vorschein zu bringen, mit vielen Twists und Flows das Feuer neu entfachen, und bis in die Fingerspitzen wärmen ...

S V A D H I S T H A N A

Fließen kann etwas wunderschönes sein. Nicht nur im Yoga suchen wir den Flow, auch in anderen Bereichen spricht man davon, wenn unsere Tätigkeit im perfekten Rhythmus läuft und wir uns optimal gefordert fühlen, gut fühlen, im Einklang mit unserem Handeln, unserem Sein sind ...

Diese ständige Transformation ist aber oft unerwünscht, wenn der Ist-Zustand doch gerade so schön ist, dass wir alles festhalten wollen. Festhalten ist überhaupt das Stichwort – wir wollen alles erreichen, wir wollen besitzen und wir wollen es nicht wieder abgeben.

Zu aktzeptieren, dass nichts für die Ewigkeit ist – eben auch unser Leben nicht – fällt vielen schwer. Unsere Gesellschaft, die gewisse Lebenssituationen als ideal, als Standards ansieht, die das Altern am liebsten ignorieren würde und alles, was nicht dem perfekten Bild entspricht, gerne hinterm Vorhang verschwinden lässt, trägt ihr übriges dazu bei, dass wir das eigentlich Natürliche kaum mehr aktzeptieren können. 

Wir wollen in den Lauf der Dinge eingreifen, haben vielleicht tatsächlich kurzzeitig ein Gefühl von Macht, und müssen am Ende doch erkennen, dass die Natur stärker ist. Ich denke, je früher wir uns damit auseinandersetzen und diese gegebenen Dinge nicht als negativ betiteln, sondern mit einem Lächeln und Dankbarkeit dem Leben entgegentreten, desto entspannter können wir letztendlich sein und uns mehr dem Lebens-Flow hingeben :)

Sich dem zu öffnen und hinzugeben, dafür stehen die Vorbeugen und Hüftöffner im Yoga, und so wird diese Stunde einige meiner Lieblingsasanas zu einem Flow verbinden und wir werden vielleicht wenigstens für den Moment das sich Fügen in einen vorgegebenen Rhythmus als wunderbar empfinden! 

to let myself go * to let myself flow * is the only way of being (Ane Brun)

Morgenbrei

Morgens essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler ... dieses alte Sprichwort findet sich prinzipiell auch im Ayurveda wieder – den Start bildet in jedem Fall ein gutes Frühstück, am besten warm, was mir sehr entgegenkommt, da ich Porridge seit langvergangenen Ferien in Schweden und Irland liebe. Neben einem bekömmlichen Tagesbeginn gibt diese Mischung auch genug Energie, um bis zum Mittag vorzuhalten und den Magen erstmal in Ruhe verdauen zu lassen, bevor er mit immer neuen Snacks gefüttert werden muss (was eben im Ayurveda als sehr kontraproduktiv gesehen wird, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr).

Hier kommt meine aktuelle Mischung – allerdings kann man hier nach Herzenslust variieren! Probier verschiedene Milchsorten (Hafermilch, Reismilch, ...), zarte statt kernige Haferflocken (machen das ganze natürlich weicher, weniger bissfest), mehr / andere knackige Nüsse (Walnüsse! Mandelstückchen! Pekannüsse! ...) und verschiedenes Obst (am besten saisonal und frisch und bio und immer was anderes ... Äpfel, Bananen, (getrocknete) Aprikosen, Kirschen, ... – nur mit Südfrüchten aufpassen, die können je nach Milchkombination plötzlich alles bitter machen!

Yoga Woman : Yin Yoga

Es fehlte immer noch ein kleiner Yoga Woman Nachtrag zum Thema Entspannung – zum Zeichnen der Restorative Posen bin ich noch nicht gekommen, aber eine kleine feine Yin Yoga Stunde hätte ich in der Schublade, zu schade, um sie dort liegen zu lassen :)

Yin Yoga setzt auf langes Halten der Positionen, körperliches Loslassen der Muskeln und vor allem der Faszien sowie mentales Loslassen durch die vielen Vorbeugen:

SUPTA BADDHA KONASANA . 5 Min
– mit langem Kissen unter Kopf und Rücken, Arme locker neben dem Körper, Handflächen nach oben ...
(Übergang: aufsetzen)

SCHMETTERLING . 5 MIN
– Vorbeuge in Baddha Konasana, eher Diamantform, Arme nach vorne abgelegt, Handflächen nach oben ... – ggf mit Kissen unter Brust abstützen
– Gegenbewegung zum Abschluss: gerader Sitz, hinten abstützen, evtl. leichte Rückbeuge

VIERECK . 5 Min
– Vorbeuge im Schneidersitz, Arme nach vorne abgelegt, Handflächen nach oben ...
– ggf mit Kissen unter Brust abstützen
– Gegenbewegung: gerader Sitz, hinten abstützen, evtl. leichte Rückbeuge
(Übergang: vorschieben in Bauchlage)

SPHINX . 5 Min
– weiter geöffnete Beine, auf Unterarmen abgestützt (Ellbogen weiter weg und Brustkorb tiefer ist leichter) ...
– ggf mit Kissen unter Brust abstützen
– Gegenbewegung: Balasana
(Übergang: aufrichten, rechtes Bein nach vorne ziehen) 

ANJANEYASANA + GECKO . 10 Min (2,5 Min Anjaneyasana + 2,5 Min Gecko pro Seite)
– vorderes Bein im rechten Winkel, Hände darauf abstützen, hinteres Bein ablegen und soweit nach hinten schieben, dass eine Dehnung in der Hüfte spürbar ist ...
– nach halber Zeit tiefer gehen, neben dem Vorderbein auf Unterarmen abstützen, Kopf tief ...
 – ggf Decke unter hinterem Bein / Knie, mit Kissen unter Brust abstützen beim Gecko
– Gegenbewegung: Adho Mukha Svanasana
(Übergang: über DDSplit das Bein wechseln) 

SCHWAN . 5 Min (1 Min Rückbeuge + 4 Min Vorbeuge pro Seite)
– hinteres Bein gerade ablegen, vorderes Bein gebeugt abgelegen, wie Taube
– bei Knieproblemen Schienbein nicht parallel zur Mattenkante, Fuß mehr zur Hüfte ...
– erst leichte Rückbeuge, dann Vorbeuge, Arme nach vorne abgelegt, Handflächen nach oben ...
– ggf mit Kissen unter Brust / unter Becken abstützen
– Gegenbewegung: Adho Mukha Svanasana
(Übergang: über DDSplit das Bein wechseln, nach der zweiten Seite über Fersensitz ablegen) 

KATZENSCHWANZ . 10 Min (5 Min pro Seite)
– Seitlage, Beine gebeugt, oberes im rechten Winkel nach vorn, unterer Oberschenkel in einer Linie mit dem Oberkörper, ggf Fuß hinten fassen ...
– ggf Kopf auf Kissen ablegen
– Gegenbewegung: Balasana
(Übergang: auf der anderen Seite ablegen, nach der zweiten Seite Beine im Sitz nach vorne nehmen) 

RAUPE . 5 Min
– Vorbeuge in Pascimottanasana, Arme neben den Beinen abgelegt, Handflächen nach oben ...
– Gegenbewegung: gerader Sitz, hinten abstützen, evtl. leichte Rückbeuge
(Übergang: zurücklegen) 

SCHNECKE . 5 Min
– Umkehrhaltung in leichtem Pflug, Beine locker, evtl. gebeugt, Arme entgegengesetzt abgelegt, Handflächen nach unten ...
– alternativ mit Händen an Fußgelenke fassen
– ggf Podest für Nacken bauen, Knie auf der Stirn ablegen
– Alternative: Viparita Karani oder Happy Baby
– Gegenbewegung: Fisch, umgekehrtes Balasana (in Rückenlage Knie ranziehen) 

TWIST . 10 Min (5 Min pro Seite)
– rangezogene Knie zur Seite ablegen (erst nach links), Arme geöffnet, Handflächen nach oben ...
– ggf Kissen unter Knie legen
– Gegenbewegung: umgekehrtes Balasana 

SHAVASANA 

Wichtig: Wie immer, wenn du Yoga praktizierst – höre auf deinen Körper, mache nur, was dir gut tut! Gerade beim Yin Yoga kommt es zu intensiven Dehnungen, die man auch unangenehm spüren kann – dennoch sollten die Positionen niemals schmerzhaft sein!

Die geschriebenen Anweisungen können immer nur wegweisend sein, niemals individuell! Falls etwas unklar ist, besprich dich wenn möglich erst mit deinem Yogalehrer!

Im Yin Yoga werden die Asanas oft länger gehalten, als in anderen Yogastilen – dennoch sind die Zeitangaben natürlich nur Optionen. Gib deinem Körper Zeit, loszulassen, aber übertreib es nicht. 

Nach jeder Position gibt es eine Gegenbewegung zum Ausgleich, die du kurz einnehmen solltest.

Wenn du diese Reihe hintereinander ausführen möchtest als Yoga-Einheit, dann helfen dir die Übergänge in den Klammern möglichst einfach von einer Asana in die andere zu kommen. 

Die orangefarbenden Begriffe sind Bezeichnungen, die ich nur aus dem Yin Yoga kenne – in der Anweisung stehen ggf. die entsprechenden Namen, die sonst verwendet werden. 

Die Übungen habe ich so zusammengestellt, wie sie mir in der Abfolge gut tun und entspannte Übergänge ermöglichen (denn auch, wenn es langsam ist, liebe ich einen guten flow ...). Fühl dich frei, auch einzelne Asanas herauszugreifen, die dir besonders helfen, nimm dir aber immer Zeit und Ruhe – Yin Yoga ist nichts für mal eben zwischendurch ... :)